Soll oder darf ich während des Gesprächs oder am Ende Fragen stellen?

Die kurze Antwort auf diese Frage lautet: Ja, auf jeden Fall! Wenn Sie Ihrem Gesprächspartner Fragen stellen, signalisiert das Interesse an der ausgeschriebenen Position und am Unternehmen. Allerdings sollten Sie auf gar keinen Fall Fragen stellen, die Sie sich durch eine umfassende Vorbereitung auf das Gespräch selbst beantworten könnten. Denn das zeigt Ihrem Gesprächspartner, dass Sie sich eben nicht vorbereitet haben und weder am Unternehmen noch an der ausgeschriebenen Stelle wirklich interessiert sind. Absolute Negativ-Beispiele wären:
"In welcher Branche ist Ihr Unternehmen tätig?"
"Welche Produkte stellen Sie her/welche Dienstleistungen bieten Sie an?" oder
"Ist Ihr Unternehmen auch international tätig?".
Diese Fragen lassen sich leicht mit einem Blick auf die Homepages des Unternehmens beantworten und haben in einem Vorstellungsgespräch nichts zu suchen. Auch die Frage nach dem Gehalt sollten Sie nicht von sich aus ansprechen, sondern immer warten, bis Ihr Gesprächspartner darauf zu sprechen kommt. Wenn Sie die Anreisekosten vom Unternehmen erstattet bekommen, sollten Sie das auch nicht von sich aus im Bewerbungsgespräch ansprechen. Diese Dinge können Sie im Sekretariat klären oder ein paar Tage später mit einem Anruf. Fragen, die Sie im Vorstellungsgespräch fragen können und sollten, ergeben sich meistens schon während der Vorbereitung auf das Gespräch. Alle Fragen, die nach Ihren Recherchen offenbleiben oder sich womöglich erst dadurch ergeben, können Sie notieren und in das Gespräch mitbringen. Sie müssen sich die Fragen nicht merken, sondern können ruhig Ihren Zettel mitnehmen. Das zeigt Ihrem Gesprächspartner, dass Sie sich im Vorfeld informiert und sich auch Gedanken gemacht haben.

Sie könnten z.B. Fragen stellen zum Aufgabenbereich ("Wie würde ein normaler Arbeitstag für mich aussehen?"), zu bestimmten Qualifikationen ("In der Stellenausschreibung werden gute Office-Kenntnisse gefordert. Ich bin sehr gut im Umgang mit Excel, Word und Power Point. Mit Access habe ich bisher eher wenig Erfahrungen gesammelt. Wie wichtig sind die einzelnen Kenntnisse für die Stelle?"), zum Team, zur Zusammenarbeit und zum Betriebsklima ("Ich arbeite sehr gerne im Team. Mir ist es aber auch wichtig, meinen eigenen Aufgabenbereich zu haben. Wie gestaltet sich bei der ausgeschriebenen Stelle die Zusammenarbeit mit anderen?") über Karrieremöglichkeiten und Perspektiven ("In Ihren Führungsgrundsätzen ist die Rede von umfassenden Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten für alle Mitarbeiter. Welche konkreten Maßnahmen wenden Sie da an?") sowie zur Arbeitsweise ("Ich arbeite sehr gerne selbstständig an mir zugewiesenen Aufgaben und konnte dies an meinem alten Arbeitsplatz auch immer tun. Wie sieht es bei der hier ausgeschriebenen Position aus?").

Grundsätzlich gibt es zwei Phasen in einem Vorstellungsgespräch, in denen Sie die Möglichkeit haben Fragen zu stellen: entweder, nachdem Ihr Gesprächspartner Ihnen umfassende Informationen über die zu besetzende Stelle und das Unternehmen gegeben hat oder kurz vor Ende des Gesprächs. Üblicherweise ist es so, dass Sie nach der Vorstellung des Unternehmens und der Stelle einige kurze Fragen stellen können, vor allem, wenn Ihnen in Bezug auf die gegebenen Informationen etwas unklar ist. Für die umfassenderen Fragen ist dann meistens am Ende des Gesprächs noch Zeit. Es kann aber auch sein, dass Sie bereits in der Phase, in denen Sie Informationen über Unternehmen und Stelle bekommen, alle Ihre Fragen loswerden können. Sie werden aber auf jeden Fall merken, wann der richtige Zeitpunkt ist. Ihr Gesprächspartner wird Sie mit Sätzen wie "Haben Sie noch Fragen?" oder "Besteht von Ihrer Seite noch Klärungsbedarf?" dazu auffordern, Ihre Fragen zu stellen.

Sollten Sie keine Fragen haben, weil Ihnen die Ausführungen Ihres Gesprächspartners genügen oder weil Sie bei Ihrer Recherche Antworten auf alle Fragen gefunden haben, sagen Sie das ruhig. Auf die Frage, ob Sie noch etwas wissen möchten, sollten Sie aber auf keinen Fall mit einem einfach "Nein" antworten. Ein Beispiel für eine gute Antwort wäre "Viele Fragen, die ich im Vorfeld des Gesprächs hatte, konnte ich bereits mit einem Blick auf Ihre Homepage klären. Alle weiteren Informationen zu Unternehmen und Stelle haben Sie mir ja in diesem Gespräch schon gegeben. Deshalb habe ich im Moment keine Fragen mehr. Sollten noch welche auftauchen, werde ich Sie noch einmal kontaktieren."

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