Welche Arten von Vorstellungsgesprächen gibt es?
Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Unternehmen. Die Auswahl der Interviewformen ist groß und jeder entwickelt seinen eigenen Stil. So gibt es zum Beispiel Gesprächspartner, die ein gänzlich unstrukturiertes Vorstellungsgespräch präferieren. Bei dieser Gesprächsform ist kein Leitfaden vorgegeben. Inhalt, Reihenfolge und Anzahl der gestellten Fragen können von Bewerber zu Bewerber variieren. Empfohlen wird diese Variante des Gesprächs nur für sehr erfahrene Personen. Der Vorteil liegt darin, dass ein solches Gespräch kaum vorbereitet werden muss und der Aufwand somit sehr gering ist. Ein schwerwiegender Nachteil ist allerdings, dass die Interviews mit verschiedenen Kandidaten nicht miteinander vergleichbar sind. Außerdem bleibt unklar, nach welchen Kriterien der geeignete Kandidat für die Stelle ausgewählt wird. Die Entscheidung beruht dann eher auf einem Bauchgefühl, Sympathie spielt eine große Rolle. Und der sympathischste Bewerber muss nicht zwangsläufig der am besten geeignete sein.
Etwas vorhersehbarer und geordneter ist der Ablauf eines teilstrukturierten Interviews. Ihr Gesprächspartner orientiert sich dabei an einer vorgegebenen Struktur bezüglich Inhalt und Reihenfolge der Fragen; die Anzahl und auch der Wortlaut können variieren. Vorgegeben ist nur ein grober Rahmen, der festlegt, welche Qualifikationen getestet werden sollen und wie das Gespräch inhaltlich aufgebaut sein soll. Welche Fragen er stellt und vor allem wie viele, bleibt dem Interviewer überlassen. Diese Variante ist im Gegensatz zum freien Interview strukturierter und ermöglicht somit einen besseren Vergleich zwischen den einzelnen Bewerbern. Allerdings ist dieser schwierig, weil nicht jedem Kandidaten die gleichen Fragen gestellt werden. Somit ist auch hier das Bauchgefühl ein wichtiger Faktor.
Das strukturierte Interview schließlich orientiert sich an einem Leitfaden, der das Interview strikt durchorganisiert. Inhalt, Reihenfolge, Anzahl und Wortlaut der Fragen sind genau Vorgegebenen. Die Antworten des Bewerbers werden an Hand einer vorher erstellten Skala bewertet. Das Interview ist – mit wenigen Ausnahmen – bei jedem Bewerber gleich. Dies ermöglicht einen optimalen Vergleich zwischen den Bewerbern. Auch wenn diese Methode mit großem Abstand die zur objektivsten Entscheidung führt, fließen auch hier Sympathien und Antipathien mit hinein und beeinflussen die Wahl. Diese Variante des Bewerbungsgesprächs ist mit sehr großem Aufwand und hohen Kosten verbunden. Der Leitfaden für das Interview muss im Vorfeld erstellt werden. Grundlage ist eine Anforderungsanalyse, mit der die notwendigen Fertigkeiten und Qualifikationen für die zu besetzende Stelle festgelegt werden. Auf dieser Analyse aufbauend werden die Fragen für das Bewerbungsgespräch entwickelt. Üblicherweise entscheiden sich die Verantwortlichen eines Unternehmens für eine Mischung aus strukturiertem und teilstrukturiertem Interview. In kleineren Firmen kann es auch mal passieren, dass Sie ein unstrukturiertes Bewerbungsgespräch meistern müssen.
Eine weitere Variante des Vorstellungsgesprächs ist das Stressinterview. In Reinform kommt es eher selten vor. Üblicher ist es, dass Elemente des Stressinterviews in ein normales Bewerbungsgespräch eingeflochten werden. In einem Stressinterview werden dem Bewerber sehr schnell nacheinander Fragen gestellt, die wenig miteinander zu tun haben und oft auch für die ausgeschriebene Stelle inhaltlich nicht relevant sind. Diese Form des Interviews ist eine Mischung aus provozierenden und schmeichelnden Aussagen sowie aus kitzligen oder sinnlosen Fragen. Der Bewerber wird bewusst provoziert und in die Enge getrieben. Getestet werden soll die Reaktionsfähigkeit und Stressresistenz des Bewerbers. Gängig ist diese Form des Interviews bei der Auswahl von Mitarbeitern für Außendienst und Vertrieb oder bei Polizei, Armee und Justizvollzug. Sollten Sie in einem solchen Gespräch landen, ist es wichtig, dass Sie ruhig und sachlich bleiben. Auf gar keinen Fall dürfen Sie selbst beleidigen oder zusammensacken. Positiv sind Schlagfertigkeit und das Kontern mit sachlichen Argumenten und Ihren Fähigkeiten und Kompetenzen.
Denken Sie aber auch daran, dass gerade ein reines Stressinterview nicht immer angebracht ist und der reinen Informationsgewinnung dient. Wenn Sie den Eindruck haben, dass der Personaler Sie einfach nur schlecht behandelt, sollten Sie den Raum verlassen oder sich zumindest überlegen, ob Sie wirklich in diesem Unternehmen arbeiten möchten. Gleiches gilt für zu unverschämte und intime Fragen, die absolut nichts mit Ihren Kompetenzen und den Anforderungen für die ausgeschriebene Stelle zu tun haben.
