Wie läuft ein Vorstellungsgespräch üblicherweise ab?
Wie bereits bei der Frage nach den Arten von Vorstellungsgesprächen erwähnt, gibt es unterschiedliche Varianten. Die meisten Gespräche folgen jedoch einem recht ähnlichen logischen Aufbau. Nachdem Sie Platz genommen haben, beginnt einer der Anwesenden das Gespräch, indem er Sie begrüßt kurz mit Ihnen über das Wetter plaudert oder Sie fragt, ob Sie eine angenehme Anreise hatten. Dieser Small Talk soll Ihnen helfen, sich in der Situation zurechtzufinden und eine lockere Atmosphäre schaffen. Im Anschluss daran werden Ihnen die anwesenden Gesprächspartner vorgestellt, und Sie erhalten einige Informationen über das Unternehmen. Dabei handelt es sich zumeist um Dinge, die Sie auf der Homepage des Unternehmens oder in Informationsbroschüren nachlesen können. Bis zu diesem Punkt findet noch keine Bewertung Ihrer Person statt.
In der nächsten Phase des Gesprächs werden Sie dazu aufgefordert, etwas über sich selbst und Ihren Lebenslauf zu erzählen.
Dabei ist es wichtig, dass Sie möglichst nicht ins Plaudern geraten und zu viele für Ihre angestrebte Position unwichtige Dinge
erzählen. Sie sollten also nicht bei ihrer Geburt anfangen und Ihre Gesprächspartner mit Anekdoten aus Ihrer Schulzeit langweilen. Stellen Sie vielmehr alle relevanten Stationen Ihres bisherigen Berufslebens heraus. Geben Sie an, wo Sie bisher gearbeitet und welche Aufgaben Sie dabei übernommen habe. Als Hochschulabsolvent können Sie auf Schwerpunkte im Studium, Nebenjobs, ehrenamtliche Tätigkeiten, das Thema Ihrer Abschlussarbeit und auf (hochschul)politisches Engagement eingehen. Rücken Sie sich bei ihrer Selbstdarstellung in ein möglichst gutes Licht, ohne dabei überheblich zu wirken. Stellen Sie Ihre Stärken und Qualifikationen dabei klar heraus. Sie können dabei auch Bezug auf Ihren Lebenslauf nehmen. Diese Selbstpräsentation ist Bestandteil der allermeisten Vorstellungsgespräche und sollte deshalb unbedingt vorher zu Hause geübt werden.
Im Anschluss an Ihre Selbstdarstellung folgt eine genauere Vorstellung des Unternehmens und Ihrer potentiellen Aufgabe.
Hier wird aus Ihrem Monolog ein Dialog mit Ihrem Gesprächspartner. Sie bekommen üblicherweise sehr umfassende Informationen
über die angestrebte Stelle und den Tätigkeitsbereich. Dadurch soll vermieden werden, dass Sie kurz nach Ihrer Einstellung
feststellen, dass die Position doch nicht das Richtige für Sie ist. Denn, wenn Sie erst einmal eingestellt sind und eingearbeitet
werden und dann das Unternehmen verlassen möchte, entstehen Ihrem Arbeitgeber unnötige Kosten. Diese können je nach Stelle
unterschiedlich hoch sein.
Wichtig ist, dass Sie in dieser Phase aktiv zuhören, Interesse an der Position zeigen – wenn es denn noch bestehen sollte –
und Ihren Gesprächspartner nicht unterbrechen. Oft haben Sie in dieser Phase schon Gelegenheit, kurze Fragen zu stellen. Sie
sollten aber den Gesamtvortrag Ihres Gegenüber nicht unterbrechen. Ausführlichere Fragen werden meist in der letzten
Gesprächsphase beantwortet.
Nun folgt der Kern eines jeden Vorstellungsgesprächs. Mit meist vorher festgelegten Fragen wird Ihre fachliche und persönliche
Eignung gestestet. Hier kommt es auf Ihre wohl überlegten Antworten und Reaktionen an. Neben Fragen zu sogenannten Hard Skills
wie Qualifikation und Berufserfahrung – Schwerpunkt ist normalerweise des letzte Berufsverhältnis – wird man Ihnen auch Fragen
zu Soft Skills stellen. Hiermit sind Eigenschaften gemeint. Auf dem Prüfstand stehen hier zumeist Kompetenzen wie Teamfähigkeit,
Belastbarkeit, Kommunikationsfähigkeit oder Führungsverhalten. Der Schwerpunkt liegt in der Regel auf den Soft Skills, da
Bewerber die nicht die nötige Qualifikation oder Erfahrung mitbringen üblicherweise schon nach der Sichtung der
Bewerbungsunterlagen aussortiert und gar nicht erst zum Gespräch eingeladen werden.
Zudem gewinnen Soft Skills bei der Bewerberauswahl zunehmend an Bedeutung, da immer mehr Bewerber die fachlichen Kompetenzen
gleichermaßen gut erfüllen. Auch neue Arbeitsformen, wie Projektteams oder teilautonome Arbeitsgruppen stellen neue Anforderungen
an die Arbeitnehmer; die Bereitschaft, in Teams zu arbeiten und die Kommunikationsfähigkeit werden dabei immer wichtiger.
Sinnvoll sind Fragen, die an konkreten Berufssituationen anknüpfen. Diese sind auch den meisten Bewerbern am liebsten, da sie
hier genau wissen, worum es geht und worauf der Gesprächspartner hinaus möchte. Allerdings sind auch Fragen wie „Sind Sie in
einem Sportverein aktiv?“ oder „Wie groß ist Ihr Freundeskreis?“ nicht unüblich. Diese Fragen zielen auf Teamfähigkeit und
Aufgeschlossenheit ab; ein kompetenter Personaler sollte Sie allerdings nicht stellen.
Es ist durchaus ratsam, sich bereits vor dem Gespräch zu überlegen, welche Anforderungen in Ihrem angestrebten Beruf
vorausgesetzt werden. Hilfreich kann hier die Stellenanzeige sein, denn dort findet sich üblicherweise eine Auflistung der
geforderten Eigenschaften und Fähigkeiten. Machen Sie am besten eine Liste alle möglichen Anforderungen und überlegen Sie sich
genau, ob Sie diese erfüllen und wenn ja, an welchen konkreten Beispielen – idealerweise aus Ihrem Berufsleben – Sie dies
festmachen können.
Diese Phase besteht üblicherweise aus biographischen Fragen – also Fragen, die auf vergangenes Verhalten und vergangenen
Situationen abzielen – und situative Fragen. Bei Letzteren werden Ihnen konkrete Situationen und Probleme vorgelegt, mit denen
Sie in Ihrer anbestrebten Stelle konfrontiert sein könnten. Ihre Aufgabe besteht dann darin, Ihrem Gesprächspartner mitzuteilen,
wie sie sich in einer solchen Situation verhalten würden und warum.
Zusätzlicher Bestandteil dieser Phase können Fallstudien sein. Ähnlich wie bei situativen Fragen wird dem Bewerber eine Situation
aus dem Berufsalltag vorgelegt. Allerdings ist diese deutlich komplexer. Der Bewerber hat dann die Aufgabe, die Situation in einer
vorgegebenen Zeit zu analysieren und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Meistens gibt es bei diesen Fallstudien keine eindeutig
richtige oder falsche Entscheidung. Es kommt vielmehr darauf an, dass Sie das Problem strukturiert und strategisch angehen und
Alternativen entwickeln. Sie müssen sich dann auch für eine Lösungsmöglichkeit entscheiden und darlegen, warum Sie diese und nicht
eine andere gewählt haben. Hierbei wird von Ihnen erwartet, dass Sie die Vor- und Nachteile abwiegen und Handlungsmöglichkeiten
aussprechen. Geschulte Beobachter können dann Rückschlüsse auf analytische und organisatorische Kompetenzen sowie die
Problemlösungsfähigkeit des Bewerbers ziehen.
Auch Arbeitsproben werden teilweise in dieser Phase eingeholt. So kann z.B. ein Grafiker dazu aufgefordert werden, etwas zu
zeichnen – bei einem Grafiker, der in der Werbung tätig sein möchte, vielleicht ein Entwurf für eine Werbekampagne.
Der vorletzte Abschnitt des Vorstellungsgesprächs ist für Ihre Fragen reserviert. Jetzt können Sie alle noch verbleibenden Unklarheiten klären. Nehmen Sie in dieser Phase ruhig Ihre zuvor vorbereiteten Fragen zur Hand und gehen diese nacheinander durch. Wahrscheinlich hat Ihr Gesprächspartner einige davon schon während des Gesprächs beantwortet. Alle noch offenen Fragen und Unklarheiten sollten Sie klären und möglichst viele Informationen für Ihre Entscheidung einholen. Geben Sie zu erkennen, dass auch Sie Erwartungen und Anforderungen an die Stelle haben. Wenn Sie keine Fragen mehr haben, sollten Sie begründen, warum. Sie könnten zum Beispiel sagen, dass Sie alle Antworten auf Ihre Fragen auf der Homepage gefunden haben oder dass Ihr Gesprächspartner bereits alle beantwortet hat. Ein einfaches „Nein“ vermittelt Ihrem Gegenüber eher Desinteresse und fehlende Motivation. Mit Fragen zu arbeitsvertraglichen Regelungen sollten Sie allerdings bis zur nächsten Phase warten.
Wenn Ihr Gesprächspartner auf arbeitsvertragliche Angelegenheiten zu sprechen kommt, können Sie das ruhig als ein gutes Zeichen werten. Denn mit Bewerbern, die für die ausgeschriebene Stelle nicht in Frage kommen, braucht er diese Dinge wohl kaum zu klären. Ein Bestandteil des Arbeitsvertrages ist das Gehalt. Informationen hierzu gibt es unter Frage 6. Aber auch Arbeitszeiten, Urlaubsanspruch, Zusatzleistungen, Tätigkeitsfeld und ähnliche Dinge sind in einem solchen Vertrag geregelt. Es wird kaum vorkommen, dass Sie direkt an Ort und Stelle den Vertrag unterschrieben. Vielmehr werden Sie über alle Regelungen informiert und können sich dann zu Hause Gedanken über den Vertrag machen.
Die arbeitsvertraglichen Regelungen markieren, wenn sie denn angesprochen werden, in aller Regel das Ende des Gesprächs. Aber auch wenn Sie es jetzt schon fast geschafft haben, sollten Sie auch jetzt noch aufmerksam und zugewandt und weiterhin darum bemüht sein, dem Gesprächspartner einen positiven Eindruck zu vermitteln. Üblicherweise informiert man Sie am Ende des Gesprächs über das weitere Vorgehen. In fast allen Fällen wird es so sein, dass sich das Unternehmen noch weitere Bewerber anschauen wird bzw. das bereits getan hat. Deshalb erhalten Sie normalerweise weder eine Zu- noch eine Absage, sondern die Auskunft, dass sich Ihr Gesprächspartner wieder bei Ihnen meldet. Je nachdem, wie viel Zeit das Auswahlverfahren noch in Anspruch nimmt, informiert man Sie bereits in den kommenden Tagen oder aber auch erst in einigen Wochen. Falls Sie diesbezüglich keine genaue Angabe erhalten sollten, können Sie gerne nachfragen, mit welcher Wartezeit Sie rechnen müssen. Achten Sie bei der Verabschiedung auf Blickkontakt und einen guten Händedruck. Bedanken Sie sich auch für das angenehme und informative Gespräch, wenn Sie es denn so empfunden haben. Der erste Eindruck ist zwar der entscheidende, aber der letzte Eindruck bleibt haften. Oft werden Sie von Ihrem Gesprächspartner noch aus dem Raum begleitet. Achten Sie bei der Verabschiedung unbedingt darauf, dass Sie den Personaler nicht zu lange aufhalten. Sollten Sie beispielsweise einige Zeit brauchen, um Ihre Jacke oder Ihren Mantel anzuziehen, können Sie ihn sich bei der Verabschiedung einfach locker über den Arm hängen oder schnell überstreifen, um ihn dann draußen zuzuknöpfen. Erst, wenn Sie dann das Gebäude verlassen haben, sind Sie "erlöst".
